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Kartonskulpturen und mehrdeutige Gemälde

Arbeiten von Sara Rogenhofer und Emö Simonyi in der Galerie am Markt in Bruckmühl

VON MARTINA FISCHER

Aus „Mangfallbote“ vom 6. November 2007

Außergewöhnliche Skulpturen, expressiv-abstrakte und emotionsgeladene körperliche Gemälde stellen die beiden Münchner Künstlerinnen Sara Rogenhofer und Emö Simonyi in der Galerie des Marktes Bruckmühl aus und zeigen, dass sich gegensätzliche Ansätze in räumlicher Union durchaus ergänzen können .

srDie 57-jährige Sara Rogenhofer studierte an der Akademie der Bildenden Künste in München und gehörte als Mitbegründerin der Malerinnengruppe "Weibs-Bilder" von 1977 bis 1988 an. Rogenhofers Arbeiten in der Bruckmühler Galerie sind jüngeren Datums, entstanden zwischen 2005 und 2007. Das zugrunde liegende Thema nach Angaben der Künstlerin: Landschaften und Gedichte, in Kombination das Streben nach Darstellung innerer Landschaften. Die üblichen Farben sind dabei nicht vertreten. Nicht Grün oder Braun, sondern Gelb-, Weiß-, Rot- oder Blautöne zeichnen die Öl- und Acrylbilder aus. Dabei arbeitet Rogenhofer extrem abstrahiert in einer Schichttechnik, durch die immer neue, weitere Elemente im Bild entstehen können und das Ergebnis offen bleibt. Eben jene Offenheit und Mehrdeutigkeit wünscht sie auch.
Vermeint man in "Engel bringt das Gewünschte" oder "Gegen die Wand" noch hingehauchte menschliche Umrisse zu erkennen, oder ein Haus auf blutrotem Grund in "Sweet Horne", so bleiben die meisten Gemälde pure, teils wild-gezeichnete Formen, die jede Interpretation zulassen. Titel finden sich zwar, in einem Bilderzyklus achtmal derselbe, geben aber auch keinen weiteren Aufschluss. Sie würden nicht auf eine Bedeutung verweisen, so die Künstlerin, sondern seien zusätzliches assoziatives Notat. es

Die in Budapest geborene Emö Simonyi lebt und arbeitet in München, Ungarn und Italien. Sie studierte Malerei und Grafik an der Budapester Kunstakademie. Genauso wie Rogenhofer hatte sie einen Lehrauftrag an der Akademie der Bildenden Künste in München inne und kann wie ihre Künstlerkollegin auf zahlreiche Ausstellungen im In- und Ausland verweisen.

Figürlich und in ihrer Körperlichkeit kraftvoll begegnen Simonyis Werke, die den Menschen thematisiert, dem Betrachter. Bei ihren Skulpturen wird dies zudem durch deren schiere Größe bis zur Raumdecke unterstützt. Sie sind nicht etwa aus Holz oder Metall, sondern aus großen Verpackungskartons. Diesen eigentlich leichten Materialien, bei denen man zudem teils sieht, dass sie ursprünglich Fernseher und andere Alltagsgegenstände bargen, verleiht Simonyis bunte, grobstrichige Malerei sowie die groß dimensionierten Köpfe und Gliedmaßen geradezu monolithische Schwere. Männer und Frauen sind gleichermaßen ihre Themen, nicht fragil, sondern kraftvoll die Körper.

Das setzt sich auch in den Mischtechnikmalereien der Künstlerin fort. Viel kleiner als die Skulpturen strotzen sie dennoch vor dunkler Buntheit und Kraft, zeigen Pferdekörper, die Welt des Sports, des Zirkus, Konflikte, sind hochemotional. Dabei sind die Frauen den Männern in Simonyis Werken körperlich ebenbürtig, wie nicht nur "Europa und der Stier" zeigt. Keine grazilschüchterne Europa sitzt da auf dem Rücken eines überdimensionalen Tieres. Statt dessen steuert sie ein Boot, auf dem sich der Stier befindet: geschlachtet.

 

 

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