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Aus dem Mangfallboten (OVB) vom 23./24. Februar 2008
Raum r Freiheit
Ausstellung in Bruckmühl
VON MARTINA FISCHER 

Nach einem Ausflug in Bruckmühls frühmittelalterliche Vergangenheit mit bajuwarischen Funden wendet sich die Galerie der Marktgemeinde nun wieder zeitgenössischer Kunst zu. Gezeigt werden über 40 Werke von Dietrich Förster und Christine Linder, abstrakte Malereien und Skulpturen, deren Hintergrund sich nicht momentan-vordergründig, sondern erst nach eingehender Betrachtung und Einbeziehung der Themen erschließt.
Der in München geborene Dietrich Förster nahm seinen Weg über eine Reihe von Ausbildungsgängen. Nach einem Praktikum in einem Berliner Architekturbüro studierte er Industrial Design an der Fachhochschule München. Es folgte ein Studium an der Akademie der Bildenden Künste in München, eine Zeit als Meisterschüler und das Diplom. Bisher realisierte Förster, der in Konsau bei Schongau lebt, zahlreiche Skulpturen im öffentlichen Raum.
In Bad Reichenhall geboren, besuchte Christine Linder fünf Jahre lang die Mal- und Zeichenklasse an der Fachschule für Holzschnitzerei in Berchtesgaden, wo sie Meisterschülerin für Holzschnitt wurde. Nach einer mehrjährigen Tätigkeit als freischaffende Künstlerin in Hamburg lebt sie seit 1974 als Freischaffende in München und Tittmoning.
In Bruckmühl zeigt sie abstrakte Bilder in Öl, Mischtechnik, versetzt mit Collagenelementen un
d Bleistiftzeichnungen von Landschaften. Ihre Werke sind filigran-durchscheinend, lasTurm
sen den Untergrund erkennen. Als oft dominante Farbe erweist sich schieres Rot, teils gehaucht, teils in kräftigen, trennenden Blöcken. Gerade die Trennelemente sind es auch, die immer wieder auffallen, als satt-farbige Teilflächen, als sanfte, aber klar wahrnehmbare Striche oder als Collageneinsätze ziehen sie Linien, setzen Grenzen und geben gleichwohl Dynamik.
Inhaltlich thematisiert Linder den Menschen, etwa beim strukturierten "Im Kopf - das Wissen" oder dem diffuseren "Im Kopf - die Erinnerung". Gefühle durch Aktionen werden im rot-weißen, dynamischen "Kommen" gezeigt, genauso im bewegten "Gehen", dort jedoch in nüchternem bis dunklem Blau und Schwarz. Eben jenes unheilvolle Schwarz findet sich auch als großer Block in "Aus dem Gleichgewicht" und "Veränderung" sowie bei "Die Hand", die, offen dargereicht, nicht durchzukommen scheint, verschluckt wird. Negativismus zeichnet Linders Werk jedoch nicht aus, wie der kräftige "Raum für Wünsche" oder sanft "Das Leichte" zeigen, sondern vielmehr Strukturiertheit, die dennoch Raum für Freiheit lässt.
Eben diese Eigenschaften weisen auch die Exponate von Dietrich Förster, Skulpturen in Glas und Holz sowie Bleistiftzeichnungen, auf. Geometrisch in ihrer Grundausrichtung scheinen sie nie "perfekt" sein zu wollen, drohen aus der Ordnung zu geraten, was letztendlich aber nie geschieht. Selbst dann nicht, wenn ein wohl arrangierter Plattenturm nach unten aus dem Lot zu kommen scheint, Sandwellen offenbar ihre Begrenzungen verlassen wollen, sich schwarze Holzschichten gezackt nach oben kämpfen, sich Glasplatten aufbäumen und dennoch nicht kippen oder Linien in Bleistiftzeichnungen fernab des Vorgegebenen ein individuelles Eigenleben bekommen.
Die gedachte perfekte Ordnung weicht bei Förster auf
, hält nicht Stand, zerbricht aber auch nicht vollends. Weder Vernichtung noch Schicksal sind dargestellt, sondern ein Spiel der Kräfte, der Freiheit aber auch Unwägbarkeit, die jedem System, allem Lebendigen innewohnt.

Dypt

 

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