Galerie Markt Bruckmühl
Galerie Markt Bruckmühl

Zweiklang

Über sechs Jahrzehnte lebten sie zusammen, malten und zeichneten in ihren Ateliers in München Schwabing und am Samerberg Tür an Tür, liebten es, zu reisen, suchten die Auseinandersetzung mit der Vielfalt kulturellen Lebens weltweit und nahmen regen Anteil an den Entwicklungen ihrer Zeit. Doch trotz dieses Einklangs und der gelebten Balance zwischen Offenheit und innerer Notwendigkeit, stellte sich in ihrem Oeuvre nie ein Gleichklang ein, denn ein jeder verstand es, seine Individualität zu wahren, nahm die Welt auf seine Weise wahr und ging künstlerisch eigene Wege: Die Rede ist von dem Künstlerpaar Elisabeth (1926-2009) und Johannes Segieth (1922-2007). Ihr spannungsreiches künstlerisches Mit- und Nebeneinander im Zeitraum von 1950 bis Ende der 1990er Jahre ist nun Thema einer Ausstellung, die vom 6. Dezember 2015 bis 10. Januar 2016 in der Galerie Markt Bruckmühl gezeigt wird.

Eigen- und widerständig waren Elisabeth und Johannes Segieth als Maler von Anfang an. Denn weder ihre Lehrer an der Münchner Akademie prägen ihr Schaffen nachhaltig, noch schließen sich beide dem Mainstream Abstraktion an, die in der westlichen Welt nach 1945 die Kunstszene dominierte. Elisabeth wird bis in ihr Spätwerk dem Gegenstand verhaftet bleiben. Johannes‘ Bildsprache entwickelt sich jedoch ab Mitte der 1970er Jahre in Richtung Abstraktion. Die Bilder der 1950er und frühen 1960er Jahre spiegeln die Aufbruchsstimmung der Nachkriegszeit wider. Das Thema „Ausblick“ wird von beiden Malern thematisiert. Johannes greift anfänglich zu kräftigen, kontrastierenden Farben, die plan und flächig daherkommen. Bald aber wird seine Palette licht und hell, und locker hingeschriebene Pinselstriche, Punkte und Linienbeschreiben offene Bildräume. Elisabeth entwickelt von Beginn an eine tonige, aus der Abwägung von warmen und kalten Farben entwickelte Malkultur und moduliert ihre Landschaften durch fein abgestimmte Farbfelder, die Mitte der 1960er Jahre zu kleinteiligeren, farbintensiveren Flecken mit unruhiger Handschrift mutieren. Das Licht des Südens, erfahren auf Reisen durch Italien, Südfrankreich und Griechenland wird beiden Malern zum großen Erlebnis.

Beide Künstler waren aber keine Freilichtmaler. Sie schöpfen vorwiegend aus Erinnerung und Vorstellungskraft. Erlebtes und Erfahrenes wird im Arbeitsprozess verdichtet, konzentriert und sublimiert. Von Elisabeth Segieth sind jedoch Skizzen erhalten, die einige ihrer Kompositionen vorbereiten.

Ab 1958 verzweigt sich Johannes Segieths Werk: Er gestaltet Ausstellungen und avanciert zum international ausgezeichneten Pionier des Ausstellungsdesigns. Insgesamt hat er über 300 Ausstellungen und Museumseinrichtungen sowie Dutzende öffentliche Projekte , etwa die visuelle Gestaltung des U-Bahnhofs Königsplatz in München (1979/1990), realisiert, wie sein Nachlass im Bayerischen Hauptstaatsarchiv dokumentiert. Vor allem mit der Einrichtung des Dokumentationszentrums der KZ Gedenkstätte Dachau (1965) und den Inszenierungen der großen Schauen im Haus der Kunst in München wie „Tutanchamun“ (1980/81), „Nofretete Echnaton“ (1976/77), „Shogun“ (1984), „Das Automobil in der Kunst“ (1986) und „Afrikanische Kunst aus der Sammlung Barbier-Mueller“ (1989) setzte er neue Maßstäbe. Und auch hier in der Region war er tätig: Unter anderem gewannen die Ausstellungen „Die Bajuwaren“ (1988) und „Der Inn“ (1989) im Lokschuppen Rosenheim durch Johannes Segieth ihre prägnante Gestalt, auch das Museum Torhalle auf Frauenchiemsee (1979-1981). Malen war von da an für Johannes Segieth nur mehr ein sporadischer Akt, aber umso wichtiger, um sich auszutarieren und auf sich zu besinnen: Arbeit im eigenen Auftrag, frei und ohne die Zwänge des Ausstellungsgetriebes. In den 1990er Jahren entstehen vibrierende und doch meditative Bilder wie „Sternenwelten“ und „Empfindung Gelb“.

Und auch Elisabeth Segieth schlägt Mitte der 1960er Jahre einen neuen Weg ein: sie verabschiedet sich von der Malerei und findet in der großformatigen Bleistift- und Graphitzeichnung ihr neues Medium. Sie tritt nun nah an die Sujets heran, zeichnet monumentale Köpfe, weibliche Akte und Torsi, erodierte und zerstörte Fragmente antiker Architekturen, gestürzte Bäume, eine Wolke, die sich vor einen Berg schiebt. Sie bleibt in ihrer Welt. Und auch ihr Duktus ist weiterhin malerisch. Denn nicht der Fluss der Linie bestimmen ihre Zeichnung, sondern kurzrhythmische Schraffuren und Strichlagen. Der weiße Grund des Papiers ist dabei ihr Rohling, aus dem sie den Gegenstand herausarbeitet, formt und modelliert. In langwierigen und kraftraubenden Arbeitsprozessen geht sie mit tausenden von Bleistiftstrichen gegen das weiße Nichts an, verleiht ihren Vorstellungen Gestalt. Nachzutragen wäre noch, dass beide Maler seit den 1950er Jahren regelmäßig auf Ausstellungen im In- und Ausland vertreten waren. Beide gehörten der Münchener Secession an, Johannes war jahrelang Präsident der Secession und zeitweilig auch Präsident der Ausstellungsleitung Haus der Kunst.

 

Clelia Segieth

 

 

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