Galerie Markt Bruckmühl
Galerie Markt Bruckmühl

Vernissage

Elisabeth Heindl und Peter Pohl

Einführungsrede

 

Liebe Künstler Elisabeth Heindl und Peter Pohl, meine Damen und Herren.

Herzlich willkommen zu unserer ersten Ausstellung des neuen Jahres.

Sowohl in den Ausdrucksmitteln als auch in der Thematik völlig gegensätzlich – hier monochrom, dort stark farbig, hier die Auseinandersetzung mit architektonischem Gedankengut, dort mit der Natur – vermittelt diese Präsentation dennoch einen Zusammenklang. Es mag der subtile Blick beider auf die jeweilige künstlerische Welt sein, der die Ausstellung so überzeugend erscheinen lässt.

Fast auf den Tag 15 Jahre liegt es zurück, dass Elisabeth Heindl schon einmal mit Arbeiten in unserem Haus vertreten war, damals zusammen mit einer Münchner Malerin.

Und obwohl heute - es ist viel Zeit vergangen - völlig andere Arbeiten von ihr zu sehen sind, ist die Thematik der Künstlerin dieselbe geblieben. Sie arbeitet in ihren Installationen mit dem jeweiligen Ausstellungsraum - der Raum bildet den Rahmen, der in das Kunstwerk mit eingeht.

Die Merkmale ihrer Arbeiten lassen sich unter dem Gesichtspunkt Architektur und Bewegung sehen.

Immer geht es um das Nachvollziehen einer vorangegangenen Bewegung. So hat die Künstlerin die Figur „circle 2“, die aus gewachstem Stahl besteht, dergestalt zusammengeschraubt, dass ein Objekt in einer bestimmten Höhe und einem entsprechenden Durchmesser entsteht. Sehr lang in die Senkrechte gezogene Rauten bestimmen das Erscheinungsbild. Anders zusammengeschraubt, mehr in die Breite gezogen, entstehen neue Geometrien. Sie erkundet somit die Wandelbarkeit des Raumes und setzt neue Raumerfahrungen frei. Es ist die Kunst des strengen geistigen Aufbaus, denn das bedeutet „Architektur“, wenn man den Begriff bildungssprachlich interpretiert. Genau das leistet Elisabeth Heindl mit ihren Arbeiten, einen strengen geistigen Aufbau. Man kann den Werken die Bezeichnung „konkret“ oder „minimalistisch“ beifügen, aber auch ohne diese Klassifizierung sehen wir, dass hier eine Künstlerin mit wenigen gestalterischen Mitteln dem Raum und seinen Möglichkeiten auf der Spur ist. Auch in der Serie „plan“ von 2011 geht sie diesen Weg: kleine farbige Täfelchen aus Aluminium werden mit Gummischnüren an der Wand befestigt. Elisabeth Heindl kann diese Täfelchen in jeder Ausstellung anders auf die Wände bringen, das Spiel mit den Möglichkeiten ist endlos. Diese in stetiger Balance befindlichen Elemente können einzeln oder in enger Gruppierung gehängt werden. Auch hier wird wieder der Raum miteinbezogen, denn die Gummischnüre umrahmen Wandausschnitte und gestalten diese quasi um zu einer Vielzahl von Bildern. Unsere Wahrnehmung ordnet in der Folge die Wandflächen in die Installation mit ein.

Klotho, eine Göttin der griechischen Mythologie, spann den Lebens- und Schicksalsfaden. Mit ihrem Namen betitelt Elisabeth Heindl eine Serie von großformatigen Zeichnungen. Mehrere sehr dünne Blätter aus Japanpapier werden übereinandergelegt. Auf jedes Blatt hat die Künstlerin zuvor mit Tusche hauchfeine Linien gezeichnet. Die Blätter liegen so, dass die Linien der unteren Zeichnungen durchscheinen und sich mit dem oberen Blatt zu einem Gesamtbild verdichten. Die gleiche Vorgehensweise hat sie bei den kleinen Bildern der Serie „bars“ angewendet, auch hier sind durch das Übereinanderlegen gezeichneter Blätter vielgestaltige Quader entstanden. Die Künstlerin erschafft mit diesen Linien, denen Bewegungen innewohnen, gezeichnete Choreographie. Es ist eine private Ausbildung im Tanz, die Elisabeth Heindl neben ihrem Kunststudium absolvierte, die sich hier bemerkbar macht. Der Tanz, besonders die langsamen, minimalistischen Bewegungen in der japanischen Tanzkunst haben ihre Spuren im Werk der Künstlerin hinterlassen.

Diese beabsichtigte Reduzierung lenkt den Blick auf das Wesentliche, und das hat Elisabeth Heindl in ihre Zeichnungen transportiert.

Die Welt der Insekten: nicht nur die Malerei, besonders das Barock, auch die Musik und die Literatur haben diesen Kosmos in ihre jeweilige Sprache übersetzt.

Wir kennen Rimski-Korsakows „Hummelflug“: eine virtuos komponierte Lautmalerei in hohem Tempo. In der Literatur hat Franz Kafka das Thema in seiner Kurzgeschichte „Die Verwandlung“ behandelt. „Als Gregor Samsa eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, fand er sich in seinem Bett zu einem ungeheuren Ungeziefer verwandelt“.

Peter Pohl ist im Landkreis Rosenheim zu Hause und durch mehrere große Ausstellungen bekannt, so zum Beispiel im Kunstverein Rosenheim und in der Städtischen Galerie. Aber natürlich reicht auch seine Bekanntheit – genau wie die von Elisabeth Heindl aus München – weit über regionale Grenzen hinaus. “Seit 20 Jahren zeichne ich Insekten, die frei assoziiert und zu eigenständigen Gebilden geformt werden“, sagt der Künstler. Seine Beschäftigung mit der farbigen Welt der Kerbtiere, insbesondere der großen und schillernden Exemplare im mediterranen Raum, begann bereits in jungen Jahren. Intensiv hat er das Gebiet der Entomologie vergeistigt und konsequent in seine künstlerische Arbeit übernommen, ohne dass seine Darstellung Anspruch auf naturgetreues Gestalten oder gar auf Wissenschaftlichkeit erhebt. Es ist eine sehr eigene Handschrift, mit der er Flügel, Beine, Fühler darstellt und immer neu variiert. Er benutzt gewissermaßen das Insekt, um seinem künstlerischen Schaffen Ausdruck zu verleihen. Eigentlich sind sie uns ja nicht ganz geheuer, diese gepanzerten, geflügelten, mit langen Beinen oder Rüsseln versehenen Tiere, die zum Teil durch Stiche und Bisse Krankheiten übertragen können oder uns in ihrer geballten Anzahl zu erschrecken vermögen. Aber Pohls gestalterische Abstraktionen rücken die Insekten in einen surrealen Bereich, der kein Erschrecken auslöst, sondern Faszination hervorruft.

Ein Eigenleben in der Kunst Peter Pohls führen die Schilde und Panzer, deren Erscheinungsbild von den Käfern abgeleitet wurde. Es sind Raumobjekte, die das Schutzbedürfnis von Mensch und Tier gedanklich nahebringen. Aus Acrylglas, mit Pigmenten vermischt, sind sie entstanden: irisierend, schillernd und mit Farbeinschlüssen, die – wie hier – Vegetation assoziieren.

In dieser Ausstellung hat Peter Pohl sein Thema ausgeweitet und den Landschaftsraum mit einbezogen. Neongrüne Landschaften mit – natürlich – einer Population von Insekten strukturieren diesen Saal. Die Bilder weisen Verläufe und Räumlichkeiten auf – gesehen aus der Perspektive von oben, in der es keinen Horizont, also keine Begrenzung gibt. Und in den zwei weißen Bildern, die das Grün unterbrechen, verbergen sich Goliathkäfer - echte. Die Arbeiten tragen den bemerkenswerten Titel: Der Untergang Goliaths – Die Heilung. Peter Pohl hat seinen Arbeiten Titel hinzugefügt, die uns daran erinnern, dass Metamorphose möglich ist.

Im Dachgeschoss ist eine Videoinstallation zu sehen, in der das Insektenthema vom Künstler in die Dreidimensionalität geführt wird: zwei Beamer projizieren digitalisierte Zeichnungen auf grün fluoreszierenden Tüll, der in einem Gestell aufgespannt wurde. Die beiden Projektionen sind zeitlich versetzt, so dass eine bewegliche Lichtskulptur auf dem Stoff entsteht. Das Schwirren und Schweben erweckt beim Betrachter den Eindruck, Zeuge eines nie endenden Tanzes rätselhafter Lebewesen zu sein. Unterlegt ist dieser Tanz mit Klängen, die Peter Pohls Sohn Philipp als werdender Tonmeister dazu geschaffen hat. Die Sphärenklänge tragen den Titel „Ton des Wunderbaren“.

Peter Pohl hat Lyrik verfasst, berührende, auch verstörende Gedichte, die vereinzelt im Haus verteilt sind.

Die Zeilen, die hier in der Nähe des Panzers angebracht wurden, lauten:

 

Im Auge der Fliege

In den Adern des Flügels

pulsiert das Leben,

mit leuchtgrünen Facettenaugen

beobachtet sie dich.

Was immer dabei geschehen soll,

du wirst es nicht verstehen!

Nur beiden ist eins,

der Augenblick der Wirklichkeit.

 

 

Diese Zeilen könnten meine Rede beschließen, damit sie noch ein wenig nachhallen.

Aber die letzten Worte sollen noch einmal beiden Künstlern gelten. Zu kurz gekommen ist die Vita Beider. So haben sowohl Elisabeth Heindl als auch Peter Pohl umfassende Ausbildungen absolviert: Studium an der Akademie der Bildenden Künste in München durch Elisabeth Heindl, Studium an der FH Augsburg und an der Akademie der Bildenden Künste Wien durch Peter Pohl. Beide haben sie Auszeichnungen bzw. Stipendien erhalten und beide sind und waren mit zahlreichen Ausstellungen im In- und Ausland vertreten. Es liegen Kataloge im Büro auf, in denen Sie sich über beide Künstler ausführlich informieren können.

Elisabeth Heindl und Peter Pohl haben das, was sie im Innersten bewegt, in Kunst umgesetzt. Darum sind ihre Arbeiten so glaubwürdig und überzeugend.

Ute Bößwetter, 31. Januar 2016

 

 

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