Galerie Markt Bruckmühl
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Octavia Hanel

Skulptur und Grafik

Ulrike von der Osten

Malerei und Raumzeichnung

22. März bis 26. April

Rede zur Ausstellungseröffnung von Octavia Hanel und Ulrike von der Osten am 22.03.2026

 

Liebe Ulrike, liebe Octavia, sehr geehrte Damen und Herren,

 

ganz herzlich möchte ich Sie zu unserer Ausstellung „Duett“ begrüßen, dem Duett von Skulptur und Malerei, von Grafik und Raumzeichnung. Sie werden in dieser Ausstellung Arbeiten von beeindruckender Ästhetik, verblüffender Farbenvielfalt und nicht nur im Wortsinn ausgefeilter Techniken sehen.

Gestatten Sie mir zunächst einen Blick auf die Malerei von Ulrike von der Osten.

Sie studierte freie Malerei an der Akademie für Bildende Künste Nürnberg bei Professor Georg K. Pfahler, war Dozentin für Malerei an der Universität Eichstätt, seit 2008 ist sie Dozentin bei der Altana -Stiftung und seit 2017 Dozentin für Malerei an der Sommerakademie Neuburg/Donau sowie von 2019 bis 2021 Dozentin für Malerei an der Europäischen Kunstakademie Trier. Zudem erhielt sie mehrfach Stipendien der Hessischen Kulturstiftung und 2022 auch eine Förderung durch den Kunstfonds Bonn.

Der Schwerpunkt ihres künstlerischen Schaffens richtet sich auf Gemälde und Raumzeichnungen sowie Installationen, die wir leider nicht zeigen können. Ich rate aber diesbezüglich zu einem Blick in den aufliegenden Katalog „Scheitelpunkt“, in dem ihre Installation zum Datum 8. Mai in den Kunsträumen der Frankfurter S-Bahnstation Taunusanlage dargestellt ist.

Die Malerei von Ulrike von der Osten wird geprägt von farbintensiven Flächen, alle gemalt mit Acryl. Sie gehen ineinander über, überlagern oder überdecken sich und erhalten häufig durch kräftigste Pinselstreiche, die mitunter an Fahrbahnen erinnern, eine weitere Dimension. Schaut man genau, erkennt man, dass sich nicht nur die Farben überlagern, sondern häufig auch die Träger der Farben: die Malerei auf Papier wird ergänzt durch die Malerei auf (hinter) dem Glas, das das Papier bedeckt. So entsteht ein dreidimensionaler Effekt der Arbeiten. Aus Wechselspiel von Konstruktion und Dekonstruktion erwachsen Bildräume und Farbarchitekturen, die teilweise über den Bildrand hinaus und hinweg streben.

Das Bild ist nicht mehr die Begrenzung des Gemalten. Die von Linien und Bögen durchzogenen Farbflächen erinnern mit ihren architektonischen Strukturen an abstrahierte Landkarten oder Ausblicke aus einer erhöhten Position. Der Kunsthistoriker Klaus Honnef assoziiert darüber hinaus einige der Arbeiten von Ulrike von der Osten mit den Kerker-Bildern von Giovanni Battistas Piranesi, jenen berühmten Radierungen „Carceri“, entstanden zwischen 1742 bis 1750. Neben Malerei und Installationen befasst sich Ulrike von der Osten auch mit Raumzeichnung. Diese präsentieren wir Ihnen im 1. Stock, direkt über diesem Raum hier. Lassen Sie sich gefangen nehmen von einer schier unerschöpflichen Farbenfülle, von einer Konstruktion, deren Struktur erst auf den zweiten Blick erkennbar wird.

Kommen wir zu den Arbeiten von Octavia Hanel, die hier in Bruckmühl wohnt.

Sie ist in München geboren und war bereits zwei Mal in Ausstellungen der Galerie Markt Bruckmühl vertreten, 1995 und 2014, und präsentiert nun Skulptur und Grafik. Zudem steht seit Kurzem eine Skulptur von ihr in der Bruckmühler Kulturmühle.

Sie studierte an der Akademie der Bildenden Künste in München u.a. bei Professor Eduardo Paolozzi. Der Gegensatz zu den Arbeiten von Ulrike von der Osten könnte zunächst nicht größer sein. Ihre Skulpturen sind hell, klar, fast sanft, auch ihre Grafik weist kaum Farbe auf.

Und doch ist den beiden Künstlerinnen etwas gemeinsam: die geradezu choreographierte Präzision bei der Gestaltung ihrer Kunstwerke. Sind es bei Ulrike von der Ostern die exakt gesetzten Pinselstriche, ist es bei Octavia Hanel das systematische, fast unendlich wiederholte Schleifen.

Ihre Skulpturen, aus Lindenholz geformt, bestechen durch ihre glatte, absolut makellose Oberfläche, glänzend stehen sie vor dem Betrachter. Die „Wegbegleiter 1987 - 1995“, die Sie hier sehen, haben die Künstlerin über eine acht Jahre lange Lebenswegstrecke begleitet. Bei Ihrer Gestaltung kam die Säge, wie bei anderen Arbeiten auch, nur beim groben Zuschnitt der Holzblöcke zum Einsatz. Die weiteren Arbeiten wurden von Octavia Hanel ausschließlich in Handarbeit mit Geißfuß und Schnitzeisen ausgeführt. Gleiches gilt für die Skulptur „Getrenntsein, Ganzheitsein“ im Zwischenzimmer im 1. Stock. Schauen Sie sich diese Arbeit ganz genau an, denn die zwölf Teile, würde man sie zusammenschieben, könnten exakt wieder den ursprünglichen Block bilden. Die Arbeiten von Octavia Hanel tragen Titel wie „Klang 1“, „Bewegung 2“ oder „Vokalisen“, eine Namensgebung, die auf gesangliche Übungen, in denen lediglich Vokale intoniert werden, hinweist. Musik ist eine der großen Inspirationen von Octavia Hanel, von ihren Skulpturen gehen Musikalität und rhythmische Bewegung aus. Auch ihre Zeichnungen sprechen von ihrer Verbundenheit mit der Musik, die „Impressionen mit Vokalisen“ zeugen davon, ebenso wie die hier stehende Arbeit „Largo“, in ihrer Ausformung angelehnt an das altgriechische Saiteninstrument Lyra, das der Sage nach schon von den Söhnen des Zeus gerne gespielt wurde. Eine weitere Inspirationsquelle für Octavia Hanel ist die Natur. Insbesondere das Samenkorn hat es ihr angetan, gilt es doch schon in biblischen Gleichnissen als besonders Symbol für Leben und Sein (z. B. im Matthäus-Evangelium 13, Satz 31 ff.)

Gleich zwei Arbeiten im Haus sind dem Samenkorn gewidmet: im 1. Stock im Raum über dem Büro „Victualis“ und im Dachgeschoss „Zwei Formen entstehen“. Diese Arbeit zeigt eine nicht oft zu sehende Besonderheit, nämlich die Entstehung eines Kunstwerks. Die groben Vierkanthölzer bilden zum einen eine liegende Skulptur, die Einschnitte schaffen zusätzlich die sanfte Form des Samenkorns als inneres Objekt.

 

Da Ulrike von der Osten, aus Offenbach im Rhein-Main-Gebiet, erst am Donnerstag anreisen konnte, hatten sich die beiden Künstlerinnen bereits im Vorfeld sehr genau über die Ausstellungsgestaltung ausgetauscht und die Räumlichkeiten aufgeteilt. Sie sehen diese Aufteilung hier im Erdgeschoss, im 1. Stock finden sie die spiegelbildliche Gestaltung und auch das Dachgeschoss wurde bereits nach Seiten kollegial und einvernehmlich vergeben. Gibt es also keinen Raum, den die beiden Künstlerinnen gemeinsam - im Duett und im Dialog – bitte verzeihen Sie mir den saloppen Ausdruck „bespielen“? Doch, den gibt es im Dachgeschoss: vier kleine Arbeiten von Ulrike von der Osten mit dem Titel „rythm # 1 bis 4“, in beschwingter Farbgestaltung auf Holz, wunderbar korrespondierend und kommunizierend mit der vierteiligen „Kleinen Welle“ aus Lindenholz von Octavia Hanel, sorgen gemeinsam für den Schlussakkord dieser Ausstellung, zu der ich Sie alle jetzt nochmals herzlich einlade. Vielen Dank.

 

 

Cornelia Ahrens

Ausstellungsplan für das Jahr 2026

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